Sonntag, 12. August 2018

Am Anfang war ... Frieden

Mein kleiner Sohn und seine Freundin - beide ein Jahr alt - begegneten vor Kurzem auf einer Wiese einem dreijährigen Mädchen, dessen große Familie dort picknickte. 

Die Kleine war die mit Abstand Jüngste und kam ganz bald zu uns und bewunderte die "Babys". Die Babys bestaunten das Mädchen und so saßen sie eine Weile zusammen, gucken sich an, fassten sich an, lachten sich an ... Das Mädchen ging weg und kam immer wieder, streichelte die kleinen Köpfe und Wangen... Die Kleinen sahen ihr hinterher, suchten den Kontakt...

Bei dem Anblick dachte ich: Es spielt für keinen der Drei eine Rolle, dass sie nicht dieselbe Hautfarbe haben, keinerlei Zugehörigkeit ist von Bedeutung, weder Herkunft, noch Alter, noch Geschlecht noch sonst etwas. Hier sitzen drei Menschen, die vorbehaltlos zusammen sind. So könnte es bleiben. So könnte es für uns alle sein.

Das ist die Ausgangssituation. Wieder und wieder und wieder... 

Was geschieht dann (mit ihnen)? 

Wieso glauben wir, dass sie von uns lernen müssen, wie Zusammenleben geht, wo sie die Gesündesten sind, diejenigen, die den Frieden in sich tragen?

Die Etikettierung anderer Menschen und damit deren Diskriminierung im Sinne von Be- und Abwertung ist nicht angeboren. Während wir ihnen Diskriminierung beibringen - unter anderem, indem wir sie etikettieren! - glauben wir zugleich, ihnen beibringen zu müssen, dass man niemand anderen diskriminieren sollte.

Absurd.

Ich halte es für den größten zu überwindenden Irrtum, den wir Menschen noch begehen: Zu glauben, wir müssten die "neuen" Menschen, die Heranwachsenden, dazu bringen, sich an unsere Welt anzupassen - sie sozialisieren. Zu glauben, wir müssten sie dazu bringen, sich an unseren Normen zu orientieren und sich darin einzufügen, statt sie selbst zu sein und sich selbst zu vertrauen!

Als ich diesen Film vorhin wiedersah, den ich vor einiger Zeit schon einmal gesehen hatte, war ich besonders gerührt - vermutlich, weil die eben beschriebene Szene in mir so frisch und präsent war.





"Es gibt nichts Neues auf der Welt, nur Vergessenes."

Paul Watzlawick

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